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FLATLAND : Niko Luoma


Vernissage 30. November 2007

Ausstellung vom 1. Dezember 2007 bis 9. Januar 2008

 

Konzeptuell arbeitende junge Fotografen aus Finnland sind in den vergangenen Jahren unter dem Stichwort –€žHelsinki School–€œ zu einem besonderen Markenzeichen geworden, das sich mit Timothy Persons verbindet, der als –€žDirector of Professional Studies–€œ an der Universität für Kunst und Design in Helsinki und als Galerist Ausbildung und Vermarktung in einer Person verbindet. In diesem Kontext fällt Niko Luoma durch seine radikalen Konzepte auf: Seine Fotografien lösen sich in einigen Serien vollkommen von der hergebrachten Funktion, Wirklichkeit abzubilden. Er selbst beschreibt diese abstrakten Bildkonzentrate so: "Ich profitiere von den optischen Möglichkeiten der Kameralinse, physikalische Phänomene, wie zum Beispiel das Licht im Raum einzufangen".

 

Es ist mein Ziel, Zeit und Raum zu biegen, Bögen zu spannen von einem Ort zum anderen, um den Weg unserer Wahrnehmung zu verändern.–€œ

 

Die Ausstellung von Niko Luoma in der Galerie Haus Schneider Uschi Kolb heißt –€žFlatland–€œ, ein Name, der ohne Hintergrundwissen in seinem Bezug auf die Ausstellung nicht unmittelbar verständlich ist, aber doch weitreichende Impulse für die Lesbarkeit der Fotografien bietet. –€žFlatland–€œ ist der Titel einer Kurzgeschichte des englischen Theologen und Schriftstellers Edwin A. Abbott aus dem Jahr 1884, bei der es sich um eine mathematische Satire auf die Hierarchie der Viktorianischen Gesellschaft handelt.

 

Der Ich-Erzähler lebt in einer flachen, also zweidimensionalen Welt, deren Bewohner die Gestalt einfacher geometrischer Formen haben. Der Erzähler selbst ist ein Quadrat und gehört damit dem bürgerlichen Mittelstand an. Im ersten Teil des Buches beschreibt das Quadrat ausführlich die gesellschaftlichen Besonderheiten von Flatland. Insbesondere werden die komplizierten Methoden dargestellt, mit denen die Bewohner erkennen, welche Form ihr Gegenüber hat und wie mit ihm umzugehen ist. Im zweiten Teil besucht der Erzähler in einem Traum das eindimensionale Linienland, eine Welt, deren Bewohner nur (unterschiedlich lange) Strecken auf einer Geraden sind.

 

Mit solchen Vorstellungen im Kopf lassen sich die weißen Linien, die wie im Mikadospiel durch- und übereinander liegen, die wie Schneekristalle vor schwarzem Himmel überbelichtet-hell scheinen, als das Bild einer Gesellschaftsutopie lesen. Zugleich sind sie kristaline Momentaufnahmen unter dem Elektronenmikroskop. Und in diesem Sinn passt auch die unendlich-chaotische Vielfältigkeit der Natur mit Wald und Wasserspiegelungen thematisch in die Ausstellung –€“ abgesehen von der strahlenden Wirkung als Kontrapunkt zu den schwarz-weißen Fotografien.

 

Es ist also das Verhältnis von Künstlichem und Wirklichem, das Niko Luomas künstlerischen Ansatz so interessant macht, denn er versteht auch die Natur als ein abstraktes Chaos von verschiedenen Elementen, ein Zustand, in dem reine Abstraktion als ein fortwährendes Experiment funktioniert.