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Frauen und Männer: Katharina Jacobsen –€“ Hendrik Krawen

 

Vernissage: 11. Januar 2008, 18 - 20 Uhr

Ausstellung: 12. Januar - 1. März 2008

 

Die Galerie USCHI KOLB eröffnet das Jahr 2008 mit einer Doppelschau der neuesten Werke von

Katharina Jacobsen und Hendrik Krawen

Die 1959 in Düsseldorfer geborene Katharina Jacobsen studierte an der dortigen staatlichen Kunstakademie Malerei bei Gerhard Richter und später Kunstgeschichte in Bochum. Nachdem Jacobsen bis zu Beginn der Neunziger Jahre ihren Schwerpunkt ihres Schaffens auf konzeptuelle Werke gelegt und sich an unterschiedlichen Kunstprojekten, wie Friesenwall 116a und The Thing, beteiligt hatte, widmete sie sich ab 1993 dem Genre Zeichnungen. Um sich von der durch Hochschule und jahrelange Praxis vorgeprägten Ausführungstechnik zu befreien, entschied die sonst rechtshändig arbeitende Künstlerin, von da an mit ihrer linken Hand zu zeichnen. In ihren meist kleinformatigen, fragil wirkenden Zeichnungen thematisiert Jacobsen die Rolle der Frau, das Verhältnis von Männern und Frauen sowie damit verbundene Klischees und Vorstellungen unter immer neuen Blickwinkeln.

 

In ihren aktuellen Arbeiten, für die Jacobsen auch das Medium Malerei wieder entdeckt hat, liegt der Fokus nun hauptsächlich auf der Darstellung von Einzelnen. Die Künstlerin spielt mit dem Genre des Porträts, wobei sie fiktive Persönlichkeiten darstellt, die mit ihren Gesichtern das jeweilige Bild ausfüllen. Wieder scheint es um mögliche Typisierungen zu gehen oder darum, der Vorstellung des typisch Weiblichen auf die Spur zu kommen. Die meisten Gesichter in den Zeichnungen und Ölbildern sind von bedrückender Ernsthaftigkeit und ihr Blick trifft den des Betrachters meist direkt, so dass es scheint, als würden sie sein forschendes Schauen unmittelbar zurückgeben. Die dargestellten Physiognomien weisen trotz ihrer Unterschiedlichkeit große Ähnlichkeiten auf und erwecken so den Eindruck, einer großen Modellfamilie zu entstammen. Dieser Eindruck macht einerseits offenbar, dass der Darstellung von Menschen –€“ erdachten wie real existierenden –€“ immer ein bestimmtes Menschenbild zugrunde liegt und es sich nie um reine Abbildungen handelt. Andererseits lässt sich diese Art der Darstellung auch als Kritik einer Gesellschaft lesen, die Individualisierung nur scheinbar fördert und im Zuge einer globalen Kommerzialisierung vielmehr von auf Schemen reduzierbaren Individuen ausgeht.

 

Die Frage nach Individualität wird auch von vielen Bildern Hendrik Krawens aufgeworfen. Krawen wurde 1963 in Lübeck geboren und studierte an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf Malerei. Einige seiner Werke öffnen den Blick auf eine Welt, die vom Spannungsverhältnis aus miniaturhaft erscheinenden Figuren und überdimensionierten Buchstaben vor monochromem Hintergrund lebt. Die stilisierten Buchstaben, die in ihrer logohaften Symbolhaftigkeit verbleiben und sich nicht zu lesbaren Wörtern zusammensetzen, bilden das Ordnungsprinzip von Krawens Malereien. Sie nehmen die Funktion einer landschaftlichen Struktur an, in der sich die am unteren Bildrand befindlichen, trotz ihrer Kleinheit detailliert dargestellten Menschen bewegen. Wie die Buchstaben, so stehen auch die Figuren in keinerlei sichtbarer Interaktion miteinander, die über ihre bloße Anwesenheit innerhalb eines gemeinsamen Raumes hinausginge. Gleichsam Statisten auf einer Stellprobe, in einer Modellsituation erscheinen Krawens Individuen. Die Verlorenheit und Schutzlosigkeit dieser offenbar jungen Menschen in einem nicht definierten, vielleicht nicht mehr existierenden Rahmen transportiert eine apokalyptische Ahnung.

 

Gleichzeitig blicken die dargestellten Menschen gelassen den über ihnen thronenden Schriftzeichen sowie dem düsteren Horizont entgegen. Ihre Losgelöstheit ließe sich ebenso als Freiheit interpretieren. Jene Regellosigkeit und das auf die eigene Existenz zurück geworfene Sein machen für Krawen die Faszination aus, die von einer –€™Stunde Null–€™ ausgeht. Veranstaltungen, wie die Love Parade in den Neunziger Jahren, im Prinzip aber auch jeder Karneval, kommen einer ritualisierten Apokalypse gleich, der Morgen danach einer kleinen, wiederholbaren –€™Stunde Null–€™. Die –€™Gegenwelt–€™, die vor allem in der von technisch erzeugter Musik geprägten Szene gelebt wird, fasziniert Krawen. Das durch Rhythmus und Ton ausgelöste, zunächst physische Gemeinschaftsgefühl und das gemeinsame Erleben einer vom Alltäglichen gelösten Realität machen diese –€™Gegenwelt–€™ aus. Doch diese Gemeinsamkeit ist meist die Illusion eines Momentes, am Ende bleibt jeder mit sich allein und geht einsam durch einen grauen Morgen.

 

Krawen wie Jacobsen arbeiten auf unterschiedlichen Ebenen mit Typisierungen und Modellsituationen, die gesellschaftliche wie individuelle Mechanismen unserer Gegenwart erahnen lassen und diese gleichzeitig hinterfragen. Die beiden Künstler leben zusammen mit ihrem gemeinsamen Sohn in Berlin.

 

Text: Susanne Husse