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JOHANNES LAUTER: Am Rand der Welt

 

Vernissage: 14. November 2008, 18-20 Uhr

Ausstellung: 18. November 2008 –€“ 9. Januar 2009

 

 

 

Hell und Dunkel, Schwarz und Weiß, Licht und Schatten –€“ so konträr treten uns die lebensgroßen Männerfiguren des Berliner Holzbildhauers Johannes Lauter entgegen. 1972 in Dasing, Bayern, geboren, erlernte Lauter auf der Holzschnitzschule in Berchtesgaden ganz klassisch die Holzschnitzerei. 2001 begann er sein Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe, wo er 2007 als Meisterschüler von Stephan Balkenhol abschloss. In seiner ersten Einzelausstellung in der Galerie Uschi Kolb wird ein neuer Werkkomplex des jungen Künstlers nach seinem Umzug nach Berlin gezeigt.

 

Lauters Figuren sind stets in schwarz gekleidet, Hemd, Fliege, Anzug, Pullover, Mütze oder auch mal Shorts. Alles aus Holz geschnitzt. Die Männer sind jung, muten kaum älter an als Ende 20 und wirken schmaler, schlanker, als wir es von lebendigen Menschen erwarten würden. Die oftmals fein herausgearbeiteten Gesichtszüge –€“ zuweilen erkennen wir sogar ein Lächeln oder die Physiognomie eines Friedrich Nietzsche –€“ mögen den Betrachter noch kurz auf Vertrautes oder Individualität hoffen lassen, bevor seine Suche ein jähes Ende hat. Die schwarzen Männer verweigern sich jeder Vertrautheit und Individualität. Sie entziehen sich uns, sind kühl, unnahbar, scheinbar unantastbar. Wie ein kalter Hauch durchströmt es den Betrachter, diese Herren sind einem Jenseits näher als dem Diesseits. Sie sind vom Rand der Welt. Dieser Eindruck manifestiert sich besonders in der Männergestalt mit Hund. Hier sitzen auf intakten Körpern nackte Schädel, bei Hund wie bei Herrchen. Erfährt der Topos Tod hier seine Inkarnation?

Grenzgänger zwischen Dies- und Jenseits finden sich ebenfalls, wenn auch verschlüsselter, in den beiden Männerfiguren die sich männlich, kumpelhaft um die Schulter fassen. Beide führen an der Leine einen Hasen. Der Hase, in der Kunst stets das Symbol für Wiedergeburt und Auferstehung –€“ hier ist er angeleint. –€žBrüder zur Sonne–€œ so der Titel der Arbeit, eine Zeile aus einem Lied, das um 1900 in einem russischen Gefängnis entstand und die Hymne der Arbeiterbewegung der 50er Jahre wurde. Werden hier aussterbende Ideale vorgeführt oder gar wiederbelebt?

Wieder bleibt eine Lösung aus. Am Rand der Welt sind die Übergänge fließend, Totes und Lebendiges und Wiedergeborenes. Hier kann selbst Nietzsche locker an der Wand lehnen, mit jungenhaftem Körper und Outfit und allein durch seine stille Anwesenheit Moral, Religion, Philosophie, Wissenschaft und Kunst in Frage stellen. Gut und Böse, Licht und Schatten, Yin und Yang untrennbar miteinander verbunden, verschlungen und dennoch immer nach Klärung strebend. In Lauters grandios geschnitzten Figuren bekommt solche Thematik eine überaus eindringlich bohrende Präsenz.

 

 

Julia Garnatz

Ausstellungsansicht