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JOHANNES HÜPPI

 

Vernissage: 19. September 2008, 18 - 20 Uhr

Ausstellung: 23. September –€“ 4. November 2008

 

 

 

Johannes Hüppi malt fast ausschließlich Frauen. Frauen mit immer gleicher Physiognomie. Frauen, die seine Züge tragen. Bekleidet oder nackt. Frauen in der Natur, in der Stadt, im Haus. Frauen allein und mit Hunden, Bären und Männerköpfen. Er malt sie seit jeher. Man könnte seine Kunst als erotische Obsession bezeichnen und hätte alles gesagt. Oder noch gar nichts. Denn die Bilder Hüppis haben formale Sprengkraft und kompositorische Dichte, sie eröffnen den Blick auf Zwischenmenschliches, der archaisch und absolut aktuell zugleich ist.

 

Wie den Göttinnendarstellungen der Antike und klassischen Marienbildnissen haftet den Frauen in den Gemälden Hüppis etwas Übermenschliches an. Von jeglichem Ausdruck befreit spiegelt ihr Gesicht die Vorstellungswelt des Betrachters. Kein Blick, keine Mimik behindert die Imagination durch den Verweis auf eine eigene Geschichte. Die alterslosen Protagonistinnen der Bilder Hüppis erscheinen als körperliche Archetypen, als Embleme der Sinnlichkeit. Der Maler untersucht das Weibliche in seiner Ursprünglichkeit als Form. Was er malt, ist nicht eine Frau, sondern den Schein des Femininen. Undurchdrungen und unverstanden bleibt die Frau seiner Bilder ein auratisches und umso erotischeres Rätsel. Erotik ist Phantasie. Sinnliches Begehren verwandelt sich in übersinnliche Sehnsucht des Geistes. Die Macht des Weiblichen wird erst ins Bild gebannt beherrschbar, sie wird, sozusagen, kultiviert. Sich den urweiblichen Schöpfungsakt zu Eigen machend erschafft der Künstler die feminine Physiognomie immer wieder aufs Neue, gibt ihr die eigenen Gesichtszüge und verleiht der Bildoberfläche die plastische Qualität weicher Haut. Als neu erschaffenes Gegenüber, als Sehnsuchtsobjekt und als Kulturgut entsteigt nun die Frau wie Aphrodite dem Wasser oder leuchtet schlafend vor dem dunklen Hintergrund der niederländischen Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts. Selbstbewusst und unnahbar in ihrer Nacktheit verkörpern die Frauen den männlichen Blick des Malers, welcher der erste Adressat seiner Bilder ist.

 

–€œStillleben–€œ nennt Hüppi die Serie schlafender Frauen neben Alltagsobjekten wie der Tasse Kaffee und dem Kännchen mit Milch sowie neben surreal selbstverständlich wirkenden Männerköpfen. Tatsächlich erinnern die Konstellationen vor monochromem Bildhintergrund formal an die barocke Stilllebenmalerei, die ihren Ursprung in der Darstellung von Kuriosa, Forschungsobjekten und Sammlergegenständen im Zeitalter der Entdeckungen hatte. Explizit wird die Weiblichkeit hier zum Forschungsgegenstand, die Frau zum zentralen Objekt der Beobachtung und gleichzeitig Projektionsfläche männlicher Wünsche. Andererseits –€žemanzipieren–€œ sich die Frauen im Wasser der zweiten neuen Serie auf Lebensgröße, nachdem der Maler über Jahre ausschließlich kleinformatige Darstellungen produzierte. Auffällig an einigen der letzteren Arbeiten ist das Spiel mit der Perspektive, deren Umkehrung die Wahrnehmung irritiert und –€“ fast schon selbstironisch –€“ auf die Gemachtheit der Repräsentation des Weiblichen verweist.

 

Susanne Husse