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Ewoud van Rijn: Remnants of the Golden Age
Installation und Arbeiten auf Papier

 

Eröffnung der Ausstellung: 18. September 2009
Ausstellungsdauer bis 6. November 2009

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir freuen uns, die Ausstellung "Remnants of the Golden Age" (Relikte des Goldenen Zeitalters) unseres Künstlers Ewoud van Rijn –€“ und damit seine erste Ausstellung in Deutschland –€“ zu eröffnen.

In der Schau sind erstmals auch Objekte des jungen niederländischen Malers zu sehen: Drei zweienhalb Meter hohe Stelen aus Pappe, im Kreis aufgestellt, formen Monolithe nach. Ihre felsengleich gebrochenen Oberflächen sind mit goldschimmerndem Lack aufgemalt und tragen Inschriften, je Monolith ein Teil eines gemeinsamen Satzes: –€žIt is–€œ –€“ –€žwhatever–€œ –€“ –€žyou think–€œ. An anderer Stelle im Kreis zu lesen begonnen ergibt sich auch der Titel der Installation: –€ž–€˜Whatever You Think It Is...–€œ.

In die Installation sind drei großformatige Zeichnungen integriert, welche ebenfalls Steinmonumente abbilden. Die stolzen Ausrufe: –€žYeah, it was great–€œ, –€žIt–€™s OK now–€œ und –€žIt will be allright–€œ präsentieren sie wie wie in Stein gemeißelte Inschriften oder erscheinen wie im Stil des barocken Radieres Piranesi ins Monumentale gesteigerte Architekturen. Zusammen mit den Stelen bilden diese Zeichnungen, an den umgebenden Wänden hängend, einen archaisch anmutenden Steinkreis. Dieser erinnert an die Jahrtausende alten Kultstätten mit ihrem wohl berühmtesten Beispiel von Stonehenge, das hier als Symbol einer untergegangenen Hochkultur zu verstehen ist. Die Stelen sind wie Monumente durch Strahler von unten her beleuchtet. Den –€žSteinkreis–€œ durchziehen bodennahe Nebelschwaden aus Trockeneis und neu-heidnische Gesänge –€“ Obertonmusik –€“ sind zu hören.

Die Inschriften auf den gezeichneten Monolithe beziehen sich grammatikalisch auf verschiedene Zeiten und repräsentieren die Trias der Zeitformen –€žFutur–€œ, –€žGegenwart–€œ und –€žVergangenheit–€œ (it will be, it is, it was). In einen Zirkel wie in der Ausstellung gestellt ist ihre Ordnung im Sinne einer linearen und auf eine Endzeit hinlaufenden Abfolge aufgehoben; stattdessen sind die Zeiten hier als Zeitphasen in einen ewigen Kreislauf von Untergang und Wiederkehr eingebunden, Sinnbild freier Entwicklung.

Die drei Zeichnungen sind zusammen mit –€žTransmutation of the Commonplace–€œ benannt,  was auf den englischen Titel des Essays von Arthur Danto –€žDie Verklärung des Gewöhnlichen–€œ (–€žThe Transfiguration of the Commonplace–€œ) anspielt. Die großen Worte, die hier zu lesen sind, kommentieren als verallgemeinernd formulierte Aussprüche im emotionalisierten Stil unserer Alltagssprache –€žGroßes–€œ und –€žErhabenes–€œ, bereinigte und positive Zustände. In Gold geschrieben –€“ wie auch ihr Träger durch alchemistische Verwandlung vom steinernen Monument zum überdimensional großen Goldklumpen geworden zu sein und auratisch überhöht scheint –€“ ist ihnen besonderer Zauber verliehen. Sie beschwören den Raum, den sie umgeben, und inspirieren den, der in ihren Bann gezogen wird. Für den Außenstehenden jedoch schwingt in ihrer Exaltiertheit Befremden mit, geraten die Worte in den Verdacht der Banalität. Solchermaßen ironisiert inszeniert Ewoud van Rijn hier das Manifest einer goldenen Zeit: den zeitlosen Wunsch nach glücklichen Zuständen, in Verklärung des Gewöhnlichen, mitten in pessimistischen Zeiten, zumindest was die Entwicklung der Kultur anbelangt, und vielleicht auch gegen die immer wieder aufkommende fixe Idee vom Ende der Kunst.

Das provokante, weil zu zwang- und konventionsloser Haltung als Bedingung für Kreativität aufrufende –€žGebot der Muse–€œ, wie es Ewoud van Rijn mit Sprüchen wie
–€žbe useless–€œ, –€žbe boundless–€œ, –€žbe mysterious–€œ etc. in einem Gemäldezyklus aus dem Jahr 2006 formuliert hat (–€žThe Muse–€˜s Imperative–€œ), gilt auch hier:
–€žWas auch immer du denkst, dass es sein könnte...–€œ –€“ so eine mögliche Übersetzung des Titels der Karlsruher Installation –€“ ist ein Plädoyer für eine freie und lebendige Imagination, Hort liberaler und andersartiger Ideen, der mit dieser Arbeit zur Anschauung kommt.

 

Rebekka Bücheler